Fördermittel in Osteuropa

Fördermittel in Osteuropa

Ungarn und Polen können sehr interessante Standorte und Märkte sein. Die Wirtschaft entwickelt sich recht schnell weiter und eine beachtliche Anzahl gut ausgebildeter Fachkräfte ist vorhanden. Nicht nur zur Produktionsverlagerung, auch zur Entwicklung der Märkte lohnt also ein Blick nach Osteuropa. In der Regel gibt es die ganz normalen europäischen Förderprogramme. Und es gibt Berater, die Fördermittel dort spezialisiert abrufen können. Hierfür habe ich Kontakte geknüpft.

Generell unterscheiden sich die Fördermittel in anderen Ländern grundsätzlich von den deutschen Programmen. Auch, wenn sie aus dem gleichen EU-Topf finanziert werden. Mittelstandsförderung etwa sieht ganz anders aus als hier ZIM oder Innovationsprogramme. Die nötigen Antragsverfahren haben natürlich auch andere Eigenschaften. Hier sind auch große Unternehmen auf externe Hilfe angewiesen. So kann man Volkswagen und Bosch als sehr erfahren in Fördermitteln bezeichnen. Beide Unternehmen haben lieber Berater zu Hilfe gezogen.

Ergänzend zu den bekannten Mechanismen von ESFE und EFRE (Europäischer Sozialfond und europäischer Fonds für Regionalentwicklungen) haben in Osteuropa der Kohäsionfonds und der Fonds für Entwicklungen ländlicher Räume ein erhebliches Gewicht. Im Finanzplan von 2014 – 2020 liegt alleine für Polen der Kohäsionfonds bei rund 23 Mrd EUR, im kleineren Ungarn sind es im gleichen Zeitraum 6 Mrd EUR. Der Kohäsionsfonds ist überall dort wirksam, wo das Bruttonationaleinkommen unter 90% des EU-Durchschnitts liegt. Er gilt also für viele finanzschwächere Länder.

Was für westeuropäische Firmen interessant sein kann, ist die Kooperation mit osteuropäischen Firmen oder/und Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Hier sollte man osteuropäische Hochschulen teilweise sehr gut ansetzen. Die Ausbildung ist oft sehr hochwertig und die Ausstattung der Hochschulen lässt manchmal deutsche Unis oder FHs mittelprächtig aussehen. Immerhin stützen sich die Hochschulen auf teilweise enorme Historie, haben motivierte Lehrkräfte und sind oft recht nah am Wirtschaftsgeschehen. Dazu gibt es weitere Systeme. Eins davon ist “Connecting Europe”. Das Programm wird direkt von der Europäischen Kommission über die INEA verwaltet und unterstützt Infrastruktur in den Bereichen Verkehrswege, Energie, Informationstechnik. Immerhin hat auch dieses System eine Ausstattung von 10 Mrd EUR, für Polen gibts davon rund 4,1 Mrd EUR.

Was in jedem Fall hoch interessant ist: Der Vergleich von Fördermitteln. So sind typische Förderhöhen für Forschung beispielsweise in den Regionen Lodsch (Lodzkie), Heiligkreuz (Swietokrzyskie) oder Pommern (Pomorskie) bei 35%. Ermland-Masuren (Warminsko-Mazurskie), Lublin (Lubelskie) und Podlachien (Podlaskie) liegen bei 50%. Schlesien (Slaskie) und Niederschlesien (Dolnoslaskie) haben nur 25%. Für Warschau dürften es bis 2017 nur 15% sein. Aber ähnliches gilt ja schon innerhalb von Deutschland. Je nach Bundesland oder Provinz unterscheiden sich die Quoten und Angebote. Je strukturschwächer, desto besser ist in der Regel die Förderung. Allerdings will aus betriebswirtschaftlichen Gründen auch die Logistik, das Arbeitsplatzangebot und die Verwaltungsaufwendung einkalkuliert sein. Wer an den äußersten Grenzen Europas, etwa an der polnisch/weißrussischen Grenze investiert, hat enorme Verkehrskosten. Dann lohnt ein Blick auf die Pläne zur Verbesserung der Infrastruktur. Etwa, wann das Wegenetz mit europäischen Mitteln ausgebaut wird.

Nun, die politische Situation in Polen kann man gerade nicht unbedingt als europafreundlich bezeichnen. Das könnte sich auch auf Handelsbeziehungen auswirken. Zumal die regierende Partei gerade Justiz und diverse Ämter mit ihren Günstlingen bestückt. Dem gegenüber stehen viele gut ausgebildete Menschen mit relativ niedrigen Löhnen, ein steigender Wohlstand, eine gesunde Mittelklasse und ein großes Wachstumspotential. In Ungarn sieht man vieles pragmatischer und bleibt gegenüber westeuropäischen Firmen aufgeschlossener. Dazu kommen noch andere Wettbewerber wie Tschechien. Gute Ausbildung, Nähe zu Westeuropa und eine gute Infrastruktur sind gegeben.

Bleiben wir noch etwas bei der Tschechischen Republik. Das Land hat eine gute Infrastruktur und diverse Firmen mit teils erheblicher Relevanz. Ich möchte hier nur einmal Skoda erwähnen, die gute Autos in guter Qualität bauen. In diesem Umfeld gibt es Zulieferer und für anspruchsvolle Technik ausgebildete Mitarbeiter. Im Kohäsionsfonds sind knappe 6,3 Mrd EUR zwischen 2014 und 2020 abrufbar. Dazu kommen über 15 Mrd für Strukturhilfen in schwach entwickelten Regionen und immerhin noch 88 Mio für starke Regionen. Interessant dürften auch die knapp 300 Mio für grenzüberschreitende Kooperationen sein. Wie in vielen Staaten Osteuropas sind Investitionen dank der (noch!) niedrigen Lohnkosten (noch!) attraktiv. Das Land ist politisch stabil und eine gesunde Mittelklasse sorgt für ausreichende Inlandsnachfrage.

Es liegt an den Unternehmen, jetzt Chance und Risiko abzuschätzen. Fördermittel für verschiedenste Vorhaben sollten aber kein Problem darstellen.

ggrohs

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