Standortwahl

Wer einen neuen Betrieb errichten möchte oder eine Zweigniederlassung gründet, sollte sich bereits im Vorfeld über mögliche Förderungen informieren. Natürlich spielen Verkehrsanbindung, verfügbare Arbeitskräfte oder auch die Gewerbesteuer eine entscheidende Rolle. International gesehen natürlich auch politische und wirtschaftliche Stabilität, Steuerabkommen oder auch Mentalität in einem Land.

Interessant ist jedenfalls ein Blick auf die Lage, wenn man alleine schon in einem Bundesland bleiben möchte. Hier geht es beispielsweise um Mittel aus dem EFRE – Europäischer Fonds für regionale Entwicklungen. Das kann sich durchaus in unterschiedlichen Förderungen etwa für Gebiete im Strukturwandel im Vergleich zu wirtschaftlich starken Teilen abbilden. Auch der Europäische Sozialfonds ESF oder ELER – Europäischer Fonds für Entwicklung des ländlichen Raums sind oft standortabhängig bei einigen Programmen. Wohlgemerkt werden EFRE, ESF oder ELER nicht durch die EU selbst abgewickelt, sondern durch Projektkoordinatoren auf Bundes- oder Landesebene.

Am Extremsten dürfte dies im Land Berlin sein. Hier gibt es das ZIS II (Zukunftsinitiative Stadtteil) Programm zur Stadtentwicklung. Das Berliner Quartiersmanagement soll bestimmte Stadtbereiche sozial und wirtschaftlich stärken. Das führt zu teilweise bemerkenswerten Unterschieden bei Förderungen. So sind Mittel aus einem Baufonds auf der einen Straßenseite verfügbar und auf der anderen nicht. Je nachdem, wie die Grenzen zu den entwicklungsgeförderten Stadtteilen und Quartieren gezogen ist. Gleiches gilt auch für Zuschüsse bei Bildungsangeboten oder allgemein sozialen Angeboten bis hin zu Stadtteilfesten.

Gerade, wo irgend eine verwaltungstechnische Grenze verläuft, lohnt das genauere Hinsehen bei Fördermitteln. Das kann an den Grenzen zweier Bundesländer sein. Das können Städte und ländlicher Raum sein. Das kann eine Region mit einer dahin siechenden Industrie eines IHK-Bezirks oder Kreises im Vergleich zu wirtschaftsstarken Teilen sein. Das können in Berlin sogar verschiedene Straßenzüge sein.

Wohlgemerkt geht es hier nicht alleine um allgemeine Förderungen. Baden-Württemberg hat andere Technologieprogramem als Hessen oder Bayern. Wer hier auch für eine bestimmte Branche oder neu herzustellende Produkte sucht, kann durchaus deutliche Unterschiede bei Förderquoten erreichen.

Brandenburg: Zuschüsse für Energierückgewinnung

Schon seit 2014 hat die Investitionsbank des Landes Brandenburg ein sehr attraktives Programm rund um Energierückgewinnung und intelligente Nutzung von Energien. Das Fördergebiet reich von Wärmetauschern bei Lüftungsanlagen über Blockheizkraftwerke bis zu Smart Grids.

In Anspruch nehmen können die Zuschüsse von 30 – 75 Prozent Firmen, Einzelunternehmer und (das ist mE nicht ganz klar definiert) Wohnungseigentümergesellschaften. Auch juristische Personen des öffentlichen Rechts, wie man so schön sagt, mit Ausnahme des Bundes, sind förderfähig. Wer hierbei nicht wirtschaftlich gewinnorientiert arbeitet, kann sogar auf 80 Prozent Förderquote kommen. Privatpersonen können keine Förderung beantragen. Ausgeschlossen sind auch Förderungen für Projekte mit weniger als 3 Jahren Amortisationszeit oder beispielsweise bei gesetzlich sowieso vorgeschriebenen Maßnahmen (etwa Erneuerung alter Heizkessel).

Der Zuschuss muss mindestens 3.000 EUR betragen. Ist er niedriger, entfällt er ganz. Dafür sind bestimmte Vorhaben mit bis zu 3.0 Mio EUR bezuschussbar. Wichtig ist ein stimmiges Gesamtkonzept. Gerne darf es auch eine innovative Form der Gesamtenergieeinsparung sein. Die Fördergelder kommen aus dem EFRE – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung. In Brandenburg erfolgt die Koordination durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie.

Sieht man sich einmal die Möglichkeiten dieses Programmes an, reichen die Möglichkeiten extrem weit. Altbausanierung mit einer modernen Heizanlage, Blockheizkraftwerke für Unternehmen und Wohngebiete, Verbesserung des Wirkungsrads bei Maschinen oder eine fortschrittliche Steuerung von Stromerzeugung und – verbrauch fallen allesamt unter die Richtlinien. Das lohnt sich!

Breitbandausbau – NRW-Kommunen

Das ist ärgerlich. An sich stehen von Bund, Land und auch der EU sehr gute Fördermittel für einen Breitbandausbau des Internet zur Verfügung. Bislang haben keine 10 Städte und Kommunen in Nordrhein-Westfalen die entsprechenden Angebote abgerufen. Dabei ist ein schneller Internetzugang mittlerweile ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor geworden. Die netzbasierte Kommunikation wird immer wichtiger.

Es gilt ja nicht nur, mal eben ein paar Webseiten abzusurfen (wobei genau das schon in ländlichen Gebieten ärgerlich sein kann). So ist beispielsweise SaaS – Software as a Service enorm wichtig geworden. Customer Relationship Management, CRM oder vermeintlich profane Dinge wie eine netzbasierte Grafikbearbeitung mit den Tools von Adobe oder Textverarbeitung und Tabellenkalkulation mit den Tools von Microsoft sind oft auf schnelle Verbindungen angewiesen. Wer hier keinen schnellen Zugang hat, steht gegenüber anderen Firmen klar im Nachteil.

Und dann hätten wir noch die Verbraucher. Immerhin auch ein Wirtschaftsfaktor. Mal eben Youtube, Facebook oder das Hochladen von Bildern zu Pinterest und Instagram ist heute Standard für netzbasierte Kommunikation. Dazu kommen Jobangebote, regionale Marktangebote und sehr viel mehr Dienste. Wer seinen Einwohnern keine schnellen Zugänge bietet, hat auch hier einen Standortnachteil.

Gut, das Förderverfahren hat es in sich. Wer nicht gerade mit der entsprechenden Bürokratie umgehen kann, hat enorme Probleme. Aber hierfür gibt es Berater. Und schon deren Beratungsleistung ist gerade in NRW oft ihrerseits sehr gut förderbar. Tatsache ist, dass der Anteil von Bund und EU auch für andere Bundesländer abrufbar ist. Wer hier nicht schnell genug beantragt, kann irgendwann in naher Zukunft leer ausgehen.

Das fände ich schade, denn wenn schon die Mittel für eine meiner Meinung absolut notwendige Investition vorhanden sind, kann man diese bestens für die Stärkung des Standorts sowie bessere Webangebote einsetzen.

Fördermittel 2016

Mit dem neuen Jahr 2016 gibt es wieder einige Änderungen bei Fördermitteln. Zunächst einmal sind die langfristigen Fördertöpfe jetzt wieder aufgefüllt. Entsprechend können lange bekannte Subventionen auch wieder problemlos beantragt werden. Dazu gibt es noch einige hoch interessante Programme, die 2016 neu sind oder angepasst wurden.

So hat die BAFA Bezuschussungen von idR 50% in den alten Bundesländern und 80% in den neuen Bundesländern für Unternehmensberatung. Bei Unternehmen in Schwierigkeiten (kein Scherz, heißt genau so) liegt die Förderquote bei 90%, unabhängig vom Alter und Standort. Besonders unterstützt werden die Integration von Migranten, Frauen, behinderte Menschen und auch der Umweltschutz. Selbstredend nicht förderbar sind typische unternehmerische Tätigkeiten wie der Aufwand für Steuerberater, Anwälte, Marketing für Ärzte und ähnliche Vorhaben.

Auch bei den großen Programmen, beispielsweise Horizon 2020, gibt es einige Neuerungen. Diese fallen aber mit den laufenden Ausschreibungen zusammen. Hier alles aufzuführen, würde bei weitem den Rahmen sprengen. Immerhin liegt schon der Finanzrahmen 2016 – 2017 bei satten 16 Mrd EUR.

Sehr umfangreichen fallen allgemein Fördermittel rund um Migration, Integration und Weiterbildung aus. Etwa vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF. Hier dürfte es viele Projekte geben, die auch für Arbeitgeber interessant sein können. Das Standardprozedere liegt bei 50.000 EUR Förderung über maximal 3 Jahre. Dazu kommen noch diverse Wohnungsbauprogramme, Aufbau von Integrationsmaßnahmen bis hin zu konkreter Hilfe bei der Umschulung und dem Deutschkurs durch weitere Träger.

Natürlich gibt es auch 2016 wieder Subventionen von erneuerbaren Energien. Das volle Spektrum rund um Wasserkraft, Windenergie und Solar ist in den Förderungen möglich. Passend hierzu werden Energieeffizienz und neue Technologie im Umwetschutz weiter unterstützt.

Fördermittel in Osteuropa

Ungarn und Polen können sehr interessante Standorte und Märkte sein. Die Wirtschaft entwickelt sich recht schnell weiter und eine beachtliche Anzahl gut ausgebildeter Fachkräfte ist vorhanden. Nicht nur zur Produktionsverlagerung, auch zur Entwicklung der Märkte lohnt also ein Blick nach Osteuropa. In der Regel gibt es die ganz normalen europäischen Förderprogramme. Und es gibt Berater, die Fördermittel dort spezialisiert abrufen können. Hierfür habe ich Kontakte geknüpft.

Generell unterscheiden sich die Fördermittel in anderen Ländern grundsätzlich von den deutschen Programmen. Auch, wenn sie aus dem gleichen EU-Topf finanziert werden. Mittelstandsförderung etwa sieht ganz anders aus als hier ZIM oder Innovationsprogramme. Die nötigen Antragsverfahren haben natürlich auch andere Eigenschaften. Hier sind auch große Unternehmen auf externe Hilfe angewiesen. So kann man Volkswagen und Bosch als sehr erfahren in Fördermitteln bezeichnen. Beide Unternehmen haben lieber Berater zu Hilfe gezogen.

Ergänzend zu den bekannten Mechanismen von ESFE und EFRE (Europäischer Sozialfond und europäischer Fonds für Regionalentwicklungen) haben in Osteuropa der Kohäsionfonds und der Fonds für Entwicklungen ländlicher Räume ein erhebliches Gewicht. Im Finanzplan von 2014 – 2020 liegt alleine für Polen der Kohäsionfonds bei rund 23 Mrd EUR, im kleineren Ungarn sind es im gleichen Zeitraum 6 Mrd EUR. Der Kohäsionsfonds ist überall dort wirksam, wo das Bruttonationaleinkommen unter 90% des EU-Durchschnitts liegt. Er gilt also für viele finanzschwächere Länder.

Was für westeuropäische Firmen interessant sein kann, ist die Kooperation mit osteuropäischen Firmen oder/und Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Hier sollte man osteuropäische Hochschulen teilweise sehr gut ansetzen. Die Ausbildung ist oft sehr hochwertig und die Ausstattung der Hochschulen lässt manchmal deutsche Unis oder FHs mittelprächtig aussehen. Immerhin stützen sich die Hochschulen auf teilweise enorme Historie, haben motivierte Lehrkräfte und sind oft recht nah am Wirtschaftsgeschehen. Dazu gibt es weitere Systeme. Eins davon ist „Connecting Europe“. Das Programm wird direkt von der Europäischen Kommission über die INEA verwaltet und unterstützt Infrastruktur in den Bereichen Verkehrswege, Energie, Informationstechnik. Immerhin hat auch dieses System eine Ausstattung von 10 Mrd EUR, für Polen gibts davon rund 4,1 Mrd EUR.

Was in jedem Fall hoch interessant ist: Der Vergleich von Fördermitteln. So sind typische Förderhöhen für Forschung beispielsweise in den Regionen Lodsch (Lodzkie), Heiligkreuz (Swietokrzyskie) oder Pommern (Pomorskie) bei 35%. Ermland-Masuren (Warminsko-Mazurskie), Lublin (Lubelskie) und Podlachien (Podlaskie) liegen bei 50%. Schlesien (Slaskie) und Niederschlesien (Dolnoslaskie) haben nur 25%. Für Warschau dürften es bis 2017 nur 15% sein. Aber ähnliches gilt ja schon innerhalb von Deutschland. Je nach Bundesland oder Provinz unterscheiden sich die Quoten und Angebote. Je strukturschwächer, desto besser ist in der Regel die Förderung. Allerdings will aus betriebswirtschaftlichen Gründen auch die Logistik, das Arbeitsplatzangebot und die Verwaltungsaufwendung einkalkuliert sein. Wer an den äußersten Grenzen Europas, etwa an der polnisch/weißrussischen Grenze investiert, hat enorme Verkehrskosten. Dann lohnt ein Blick auf die Pläne zur Verbesserung der Infrastruktur. Etwa, wann das Wegenetz mit europäischen Mitteln ausgebaut wird.

Nun, die politische Situation in Polen kann man gerade nicht unbedingt als europafreundlich bezeichnen. Das könnte sich auch auf Handelsbeziehungen auswirken. Zumal die regierende Partei gerade Justiz und diverse Ämter mit ihren Günstlingen bestückt. Dem gegenüber stehen viele gut ausgebildete Menschen mit relativ niedrigen Löhnen, ein steigender Wohlstand, eine gesunde Mittelklasse und ein großes Wachstumspotential. In Ungarn sieht man vieles pragmatischer und bleibt gegenüber westeuropäischen Firmen aufgeschlossener. Dazu kommen noch andere Wettbewerber wie Tschechien. Gute Ausbildung, Nähe zu Westeuropa und eine gute Infrastruktur sind gegeben.

Bleiben wir noch etwas bei der Tschechischen Republik. Das Land hat eine gute Infrastruktur und diverse Firmen mit teils erheblicher Relevanz. Ich möchte hier nur einmal Skoda erwähnen, die gute Autos in guter Qualität bauen. In diesem Umfeld gibt es Zulieferer und für anspruchsvolle Technik ausgebildete Mitarbeiter. Im Kohäsionsfonds sind knappe 6,3 Mrd EUR zwischen 2014 und 2020 abrufbar. Dazu kommen über 15 Mrd für Strukturhilfen in schwach entwickelten Regionen und immerhin noch 88 Mio für starke Regionen. Interessant dürften auch die knapp 300 Mio für grenzüberschreitende Kooperationen sein. Wie in vielen Staaten Osteuropas sind Investitionen dank der (noch!) niedrigen Lohnkosten (noch!) attraktiv. Das Land ist politisch stabil und eine gesunde Mittelklasse sorgt für ausreichende Inlandsnachfrage.

Es liegt an den Unternehmen, jetzt Chance und Risiko abzuschätzen. Fördermittel für verschiedenste Vorhaben sollten aber kein Problem darstellen.

Öffentlich und privat – Infrastruktur

Gestern war ich bei der NRW-Bank in Düsseldorf zum 7. Symposium. Der Schwerpunkt lag auf dem Bereich Infrastruktur sowie möglichen Finanzierungsmodellen aus öffentlicher Hand und privaten Investoren – Öffentlich Private Partnerschaft (ÖPP) oder Public Private Partnership genannt (PPP). Beeindruckend und etwas beängstigend fand ich den Vortrag von Prof. Dr. Fratscher, was zurzeit an Investitionsstau in Deutschland herrscht. In den Bereichen Straßen, Schiene, Wasserwege oder auch Gebäuden in öffentlicher Hand leben wir zurzeit wohl sehr stark von der Substanz und haben erheblichen Nachholbedarf für Erhaltung und Neubau. Mit anderen Worten ist zurzeit zwar durchaus Geld für Neuinvestitionen, Erhaltung von bestehenden Projekten oder auch allgemeiner Verbesserung der Infrastruktur vorhanden, verteilt wird es lieber an anderer Stelle.

Hier sind ÖPPs ein Ansatz, die Finanzierung auch für sehr umfangreiche Projekte zu schultern. Man erstellt Infrastruktur für die öffentliche Hand, betreibt die Projekte privat und mietet oder bezahlt die Projekte über eine lange Laufzeit. Das klingt zunächst abwegig in der Zeit von absoluten Niedrigzinsen für Kommunen, Bundesländer oder den Staat, kann aber unter bestimmten Bedingungen durchaus Sinn machen. So haben sich die Verantwortlichen öffentlicher Projekte oft nicht mit Ruhm bekleckert. Als Paradebeispiele für völlig aus dem Ruder gelaufene Großvorhaben sind der Berliner Flughafen, der Bahnhof Stuttgart 21 oder auch die Elbphilharmonie in Hamburg bestens bekannt. In allen drei Fällen wurde stümperhaft herumgepfuscht. Die Rechnung darf der Steuerzahler tragen. Bei einer ÖPP müssen die Projekte funktionieren, sonst bekommen die Betreiber bei einer vernünftigen Vertragsgestaltung keine Mieteinahmen. Entsprechend motiviert sind private Unternehmen, eine vernünftige Qualität und rechtzeitige Fertigstellung zu leisten.

Allerdings drohen bei Unkenntnis oder zu viel Optimismus auch erhebliche Risiken. Wer den erstbesten Finanzier oder das erstbeste Projekt nimmt, zahlt zu viel. Ein Vertreter eines Finanzierers sprach von einer erwarteten Rendite zwischen 4 und 7 Prozent. Das wäre in vielen Fällen weit über den zurzeit realisierbaren Zinsgewinnen am Kapitalmarkt. Entsprechend steuerten die Experten gegen und hielten 1 oder 2 Prozent Rendite für durchaus angemessen. Zumal gerade ein Anlagenotstand herrscht, bei dem Kapital in möglichst sicheren Anlageformen investiert werden kann.

Es kommt also auf das Planungs- und Verhandlungsgeschick an. Wer ein sauberes Pflichtenheft erstellt, kann die langfristigen Kosten (inklusive Unterhalt…) hochrechnen und kommt so zu einer vernünftigen, betriebswirtschaftlichen Planung. Damit lassen sich dann die Investitionen vergleichen – kreditfinanziert über die öffentliche Hand, finanziert von Förderbanken wie der NRW-Bank oder auch als verschiedene Modelle einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft.

Der Investitionsstau und der Verfall unserer Infrastruktur ist jedenfalls nicht gut für die Bundesrepublik. Brücken, Straßen oder Schienenwege müssen gut funktionieren. Auch ist dringend ein schnelles Internet nötig – hier liegt Deutschland trotz Hochtechnologie im Onlinebereich erschreckend weit zurück. Eine mögliche Lösung für Fernstraßen wäre am Beispiel der Autobahnen eine Betreibergesellschaft in öffentlicher Hand, ähnlich der österreichischen ASFINAG. Damit wäre auch der kritisierte politische Einfluss zurück gefahren. Bei der Bahn gab es deutliche Worte zu deren Infrastrukturproblemen. Immerhin wurde seit Mehdorn die Leistung deutlich zurückgefahren, während die Kosten blieben. Zu gerne schiebt man den schwarzen Peter zwischen Bund, Land und Gemeinden hin und her, während politische Prestigeprojekte nichts bringen und die Infrastruktur veraltet oder verfällt.

Was bleibt zusammenfassend? ÖPPs sind eine Finanzierungsalternative. Eine von verschiedenen Möglichkeiten, die in ihrer Wirtschaftlichkeit zu berechnen sind: Eigene Kreditaufnahme, ÖPPs, Betreibergesellschaften und natürlich auch Mischformen mit Fördermitteln. Es kommt auf die Verhandlungen und die Vertragsgestaltung an, was sich unter dem Strich am besten rechnet.

Endspurt um Fördermittel

Noch sind für 2015 in vielen Programmen ausreichende Fördermittel vorhanden. Wie üblich können einige interessante Angebote bis kurz vor Jahresende zumindest beantragt werden. Allerdings wird in einem Punkt die Zeit etwas knapp: Idealerweise sollte der Förderbescheid schon durch sein, bevor sich das Jahr dem Ende zuneigt.

Betrachtet man einmal Europa, sind die Luxemburger besonders fit in Sachen Förderung. Sie erreichen einen sehr guten Abruf der zustehenden Hilfen. Deutschland liegt im Mittelfeld. Ziemlich schwach sind leider wieder viele Länder in Osteuropa – obwohl gerade sie umfangreiche Hilsangebote aus Brüssel für Infrastruktur, Firmen und Naturschutz erhalten können. Erstaunlich ist hierbei auch, dass westeuropäische Investoren oft nicht die ihnen zustehende Hilfe annehmen, während auf Fördermittel spezialisierte Unternehmen teilweise schon dreist jeden Cent mitnehmen.

Was kann man also noch „relativ schnell“ bis zu Jahresende einleiten? Zunächst einmal die üblichen Programme wie ZIM. Hier gehen sie Genehmigungsverfahren sehr zügig und auch die Erstellung eines Antrags ist von planbarem Zeitaufwand für einen erfahrenen Berater. In Sachen Energieeffizienz sind ebenfalls noch viele Möglichkeiten offen. Auch Fördermaßnahmen rund um Unternehmensfinanzierung und deren Planung sollten in den verbleibenden 3 Monaten machbar sein. Diffizil dürfte es bei einigen Programmen rund um Horizon 2020 werden. Oft sind die Fördermaßnahmen mehrfach überzeichnet und auch die Antragstellung gestaltet sich komplex. Der Vorteil wiederum ist eine Laufzeit bis weit in die Zukunft, so dass (neben den Einreichungsfristen) eigentlich wenig Zeitdruck herrscht.

Wer also 2015 noch für sein Unternehmen oder seine Kommune investieren möchte (Energieeinsparung, erneuerbare Energien, Produktentwicklungen, Forschung…..) sollte sich schon sehr genau in den verschiedenen Fördermöglichkeiten auskennen.

Fördermittel Baden-Württemberg

Die KfW-Bank und die L-Bank in Baden-Württemberg fördern mit Pressemitteilung vom 22.09.2015 erstmals zusammen Innovationen. Insgesamt hat das Paket einen Umfang von 200 Millionen Euro. Basis hierfür ist das ERP-Innovationsprogramm, bei dem nun Bund und ein Bundesland eng zusammen arbeiten. Die Fördermittel sind speziell verfügbar für kleine und mittelständische Unternehmen im Bereich Innovationsfinanzierung.

Die Innovationsfinanzierung Baden-Württemberg richtet sich an Unternehmen, die neue Technik, Produkte und Dienstleistungen entwickeln wollen. Das Programm umfasst sehr günstige Kredite mit teilweise extrem niedrigen Sätzen für die Tilgung und sehr freundlicher Gestaltung für den Beginn der Tilgung. Hierfür muss das Unternehmen mindestens 2 Jahre am Markt sein und die Neuentwicklung hauptsächlich in Eigenverantwortung durchführen.

Natürlich muss auch hier die Förderung nachgewiesen sowie sauber abgrechnet werden und es gibt einige weitere Rahmenbedingungen. So dürfen die Projekte maximal 2 Jahre laufen und die Personalkosten müssen bei mindestens 50 Prozent der Gesamtsumme liegen. Interessant jednefalls wird es bei den Nachweisen – dort werden 2 Möglichkeiten angeboten. Entweder ist eine saubere Aufschlüsselung möglich oder die Personalkosten (mindestens 50 Prozent!) lassen sich hochrechnen bis zur maximalen Förderhöhe.

KMU Innovativ – BMBF

KMU Innovativ des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) ist ein sehr schönes Programm für Fördermittel bei neuen Technologien im Bereich kleiner und mittelständischer Betriebe. Die förderfähigen Themen umfassen: Medizintechnik, Biotechnologie, zivile Sicherheit, Nanotechnologie. Dazu kommen noch Ressourcen und Energieeffizienz, Photonik, Produktionstechnologie und ein breites Feld rund um  Informations- und Kommunikationstechnik.

Nehmen wir einmal nur den Punkt Informationstechnik heraus und splitten diesen nach Unterthemen auf. Dort finden sich beispielsweise Anwendungen zur Mobilität (intelligente Autos und intelligenter öffentlicher Verkehr), Gesundheit und Medizintechnik (etwa Überwachung von Patienten) oder auch Energie und Umwelt. Hier würde mir vor allem eine lastabhängige Steuerung von Stromnetzen, eine lastabhängige Steuerung bei Kraftwerken oder auch schon die Versorgung mit natürlichen Brennstoffen einfallen. Man sieht also auf den zweiten Blick, wie weit KMU Innovativ angelegt ist.

Noch weiter ins Detail geht die Entwicklung etwa von Schaltkreisen und Software für Fahrzeuge, die Nutzbarkeit von Software (Usability) oder auch Elektromobilität mit den entsprechenden Stromtankstellen und der nötigen Batterietechnik. Man kann schon an diesem einen Beispiel, der Informationstechnik, den möglichen Umfang der Fördermittel für neue Technologien für die verschiedensten Branchen abschätzen. Zusammengefasst sind es Tausende von durchführbaren Projekten, bei denen eine staatliche Unterstützung winkt.

Gut ist, dass die Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen massiv gesteigert wird. Man muss eben nicht mehr auf die großen Forschungsabteilungen oder die Hochschulen warten. Wer eine gute Idee hat, bekommt in der Regel ausreichend Hilfe und Beratung für zumindest die Entwicklung bis zum Prototypen. Das Verfahren startet mit einer elektronisch einzureichenden Projektskizze, über die innerhalb etwa 2 – 3 Monaten nach Einreichung zu den Stichtagen entschieden ist. Damit ist KMU Innovativ ein relativ schnelles Fördermittel-Programm – besonders im Vergleich zu den teilweise doch sehr langwierigen EU-Projekten.

Jetzt wird es leider wieder etwas komplizierter. Wichtig ist ein ausreichend hoher Grad an Innovation. Eine kleine Produktverbesserung wird in der Regel nicht gefördert, Grundlagenforschung oder eine bahnbrechende Idee schon. Der Fördersatz liegt allgemein um 60 Prozent. Und schon wird es noch komplizierter. Personal- und Sachausgaben sind unterschiedlich bezuschussbar. Kooperationen zwischen Firmen sowie Firmen und Hochschulen sind möglich, dann muss für Firmen aber der KMU-Standard der EU gelten. Es darf also nicht hauptsächlich über einen Großbetrieb abgerechnet werden. Alleine die Liste der Bestimmungen und Nebenbestimmungen umfasst 10 PDF-Dokumente. Klingt fast wie eine kleine Steuererklärung.

Ist denn KMU Innovativ jetzt das Allheilmeittel für Forschung? Jein. Es ist oft sehr gut einsetzbar. Es hat relativ hohe Förderquoten. Es hat ein schnelles Verfahren. Dagegen können direkte EU-Förderungen noch bessere Quoten bringen. ZIM ist ein Verfahren mit vergleichsweise geringeren Eintrittsschwellen – dafür ist oft die Förderquote schlechter. Und es gibt diverse weitere Subventionen und Zuschüsse, die sich bis hinab zur Ebene von Bundesländern unterscheiden.

Noch dazu ist ein übergreifender Projektplan rund um die Förderung die bessere Lösung. Ist beispielsweise ein Prototyp gebaut, braucht man oft Beratung rund um die Markteinführung, Beratung für die beste Produktionstechnologie oder auch Hilfe bei Kooperationen mit starken Partnern. Wer hier über die reine Forschung hinaus denkt und ein ganzheitliches Konzept entwickelt, hat oft die besseren Karten und ist über die gesamte Laufzeit schneller am Markt.

 

 

 

Aktuell: Risikokapital

Die KfW wird in den nächsten 5 Jahren bis zu 400 Mio Euro für Risikokapital, also Beteiligungen an erfolgversprechenden Firmen einsetzen. Hierzu wurde das ERP-Venture Capital-Fondsinvestment geschaffen. Primär geht es dabei um die Bereiche Internet (und natürlich darauf laufenden Diensten), umweltfreundliche Energie und umweltfreundliche Mobilität sowie Themen aus dem Bereich Medizin.

Das ist, wie üblich, aber nur eine Möglichkeit. Hinzu kommen diverse Programme von Bund und Bundesländern. Bevor man also nur private Risikokapitalgeber aufsucht, lohnt auch ein Blick auf die öffentlichen Angebote. Wohlgemerkt sind selbst diese nur ein Teil von möglichen Firmenfinanzierungen. Immerhin gibt es ja noch die klassischen Fördergelder von EU, Bund, Land und bis hinab zur einzelnen Kommune.

Fangen wir einmal bei den Geldmitteln an. Private Finanzierer haben möglichst gerne ausreichend große und ausreichend sichere Projekte. Ausreichend groß heißt einfach, dass wichtige Gesellschaften kaum mit einem Kapital von vielleicht 50.000 EUR oder noch weniger einsteigen. Sicher heißt, dass mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ein Erfolg eintreten sollte oder der Markt so lukrativ ist, dass sich selbst nur jede fünfte oder zehnte erfolgreiche Firma unter dem Strich richtig lohnt. Hierfür werden dann entsprechende Prozentsätze an Zinsen fällig. Kaum ein Risikokapitalgeber begegnügt sich obendrein mit einer Minderheitsbeteiligug von 20 Prozent. Man möchte etwa bei einer GmbH schon gerne über 25 Prozent haben, damit man ausreichend mitreden kann.

Was der Risikokapitalgeber außer Geld in die Firma einbringt, ist vielfach Gegenstand von Diskussionen. So gibt es Business Angels, die tatsächlich mit einem enormen Know-How und unternehmerischer Erfahrung sowie Beratung tatkräftig helfen. Andere reden nur munter über diese Hilfen und halten im Erfolgsfall kräftig die Hand auf. Hier kommt auch eine weitere Komponente ins Spiel. Risikokapitalgeber sehen ihre Tätigkeit als eine Geldanlage, als Investment. Irgendwann möchten sie Kasse machen. Hierfür sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken machen, wie man an die Kapitalgeber herantritt – Stichwort Exit Strategie. Und hier ist dringend auch anwaltliche Hilfe bei der Vertragsgestaltung empfohlen, damit man nicht übervorteilt wird. Nicht, dass wir uns falsch verstehen –  es gibt solche und solche. Sie können ein wertvolles Instrument und ein fairer Partner zur Unternehmensfinanzierung sein. Und sie helfen so manchem vielversprechenden Start-Up überhaupt erst auf die Beine. Aber es gibt eben auch einige „scharfe Hunde“.

Etwas freundlicher sieht es allgemein bei den Förderbanken aus. Hier fangen oft die Beträge niedriger an. Und recht oft ist man gegenüber den geförderten Gründern auch etwas freundlicher – deutlicher formuliert: kulanter. Was jetzt für ein Start-Up die beste Lösung ist, kann man pauschal nicht beantworten. Es dürfte meist deutlich anders aussehen, als die einschlägige Fersehshow zum Thema Investments. In jedem Fall ist eine sehr genaue Prüfung nötig. Und, nicht vergessen: was in Form von Fördermitteln als Eigenkapital vorhanden ist, braucht man nicht als Unternehmensanteile an die Risikokapitalgeber abtreten…….